Drei junge Menschen, die sich lieben, unter dem Mikroskop einer literarischen Vivisektorin. Meisterhaft.
Rezension
Hugo lernt August und Thora als Einheit kennen, als unausgesprochene Symbiose, die ihn fasziniert und ängstigt. Thora stammt aus einer sehr (einfluss)reichen Familie; ihre Eltern bieten auch Hugo ein Studentenzimmer und einen Platz an ihrem Tisch an, an dem die Intellektuellen und Vermögenden regelmäßig Platz nehmen, scharf beobachtet von Thora.
Das Verhältnis der drei jungen Protagonisten ist vielschichtig und wird aus deren Perspektiven erzählt, so dass Ausgesprochenes, Ungesagtes, Beobachtetes, innerlich Kommentiertes, an anderen Figuren Gespiegeltes wie in Zeitlupe beschrieben wird; die Analyse scheinbaren Tiefsinns, gesellschaftspolitischer Diskurse, großer Gefühle hält Spiegel aller Art bereit.
In wenigen Semestern ereignen sich Annäherung wie Abstoßung in unterschiedlicher Konstellation; am Ende des Buches liest man das erste Kapitel fasziniert noch einmal. Nein, keine typische Dreiecksgeschichte - ein literarischer Genuss, dessen Buchcover herrlich irritierend gewählt ist.
Rezensent: Frauke Thees
Personen: Hedman, Johanna Berf, Paul
Hedman, Johanna:
Das Trio : Roman / Johanna Hedman. Dt. von Paul Berf. - München : Luchterhand, 2024. - 445 S. ; 20 cm. -
ISBN 978-3-630-87764-8
Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik - Signatur: SL - Bücher