Den Imperativ der Erneuerung kann man getrost als alten Hut der Pädagogik bezeichnen, vor allem in der außerschulischen, "non-formalen" Szene der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, wo Experimente, Methodenentwicklungen oder Veranstaltungsinnovationen von Anfang an zum Kerngeschäft dazugehörten und bis heute eine besondere Attraktivität der einschlägigen Bildungsangebote ausmachen - Angebote, die sich ja auf einem Markt behaupten und mit allerlei modischen Trends
konkurrieren müssen. Hier handelt es sich zudem um einen Experimentierort, der exemplarische Bedeutung hat. Und in der Tat haben sich dadurch ja gravierende Veränderungen der Mediengesellschaft ergeben - bis hin zum Feld der Netzpolitik, das seine eigenen Themen und Kontroversen generiert und mittlerweile weltweit neue politische Bewegungen hat entstehen lassen. Um das Web 2.0 geht es natürlich auch im vorliegenden Heft. Doch soll dies nur als ein Beispiel dafür stehen, wie politische und gesellschaftliche Prozesse den Aufgabenkatalog der Bildungsarbeit konstituieren und wie sich von daher die Notwendigkeit einstellt, didaktisch-methodische Veränderungen vorzunehmen - oder eben auch nicht. Denn Bildungsarbeit bleibt letztlich darauf verwiesen, dass sie ein dialogischer, informativer und argumentativer Prozess ist, der es mit den politischen Grundfragen von Macht und Herrschaft, Interesse, Konflikt und Konsens zu tun hat.
Professor Peter Faulstich (Universität Hamburg) eröffnet den Schwerpunktteil mit einem Grundsatzbetrag, der in diesem Sinne auf die Notwendigkeit von Neuerungen eingeht und sie zurückbindet an die Veränderungen im politischen System und seiner Umwelt. Im folgenden Beitrag von Dr. Alexander Klier (DGB-Bildungswerk) wird der öffentliche Raum selber als Lernfeld der politischen Bildung vorgestellt - und dieser Zugang an markanten Beispielen erläutert. Dies setzt Melanie Schuster (Robert Bosch Stiftung) fort, indem sie die Chancen eines besonderen öffentlichen Ortes, nämlich des "Lernorts Stadion", herausstellt. Sascha Rex (Deutscher Volkshochschul-Verband) präsentiert dann vier Beispiele der Formatinnovation politischer Bildung an Volkshochschulen: zweimal mit und zweimal ohne Schwerpunkt auf der Online-Kommunikation. Abschließend diskutiert Professor Franz Josef Röll (Fachhochschule Darmstadt) lerntheoretische Konsequenzen, die sich vor allem aus der Weiterentwicklung des Web 2.0 ergeben.
Außerhalb des Themenschwerpunkts wird zunächst - unter der Rubrik QuerDenken - der "Streitfall Kompetenzen" verhandelt. Barbara Menke, Leiterin der Arbeitsgruppe Grundsatzfragen des Bundesausschusses Politische Bildung (bap), fasst die Ergebnisse des Fachgesprächs vom 28. März 2012 in Frankfurt am Main zusammen und zieht Schlussfolgerungen für die Auseinandersetzung der non-formalen politischen Bildung mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen. Im Anschluss daran werden unter der Rubrik ÜberGrenzen Fragen der internationalen und europäischen Begegnung diskutiert. Benedikt Widmaier hält hier unter an derem ein Plä doyer für die strategische Orientierung an Kosmopolitisierung in der politischen Bildung.
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Personen: Bundesausschuss Politische Bildung, Hg.
BIL 158
Bundesausschuss Politische Bildung, Hg.:
Neue Formate : Vom Geist der Neuerung im öffentlichen Raum. - Bonn : Wochenschau Verlag, 2012. - 103 S.
Best.-Nr.: 0007375001
Buch