Ist das eigentlich noch ein Fall von Evolution oder schon von Disruption, was gerade mit dem Relibuch passiert? Im Horizont von Digitalisierung und Differenzierung scheint es zur aussterbenden Gattung »Unterrichtswerk« zu gehören. Für Lehrkräfte treffen Texte, Bilder und Aufgaben selten punktgenau die eigenen Unterrichtsvorhaben, Schülerinnen und Schüler finden es altbacken und langweilig. Fragwürdig erscheint auch der langwierige Genehmigungsprozess durch Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie staatliche Stellen. Widersprechen nicht konfessionell »auf Linie gebrachte« Unterrichtsmaterialien gegenwärtigen religionspädagogischen Standards bezüglich der Adressierung einer heterogenen Lerngruppe? Lukas Ricken und ich möchten mit diesem Heft das Relibuch als in gutem Sinne fragwürdigen Gegenstand vorstellen.
Hans Mendl und Paula Paschke liefern sich kein K.o-Duell in der Auseinandersetzung um Pro und Contra, sondern bieten wertvolle Argumente in der Auseinandersetzung um religionsdidaktische Standards und bildungsbezogene Leitmedien. Burkard Porzelt zeigt in seiner Kritik der Genehmigungsverfahren auf, wie diese zu unstatthaften Verengungen in religiösen Bildungsprozessen führen. Unser Praxisteil greift aktuelle Diskussionen aus Schulbuchanalyse und Schulbuchkritik auf: Welche Stereotypen zu Judentum und Islam werden im Relibuch reproduziert und wie kann ein Unterricht gestaltet werden, der sensibel mit Othering umgeht? Welche religiösen und sprachlichen Voraussetzungen macht das Relibuch, die exkludierend wirken und welche produktiven Zugänge lassen sich erschließen?
Serie / Reihe: Katechetische Blätter
Z 025,347
Katechetische Blätter 4/2024 - Das Relibuch : Zeitschrift für religiöses Lernen in Schule und Gemeinde : Matthias Grünewald Verlag, 2024. - Seiten 160. - (Katechetische Blätter). - Auf Cover: Mit Material zum Download
ISSN 0342-5517
Z - Zeitschriften - Zeitschriftenheft