Fischler, Joe
Veilchens Feuer Valerie Mausers zweiter Fall ; Alpenkrimi
Buch

Quelle: Pool Feuilleton; Ein echter Alpenkrimi funktioniert wie ein Scherenschnitt, ritsch ratsch, und fertig sind Figuren und Handlungsquatsch. Joe Fischler baut mit seinen Krimis gerade den Mythos des sogenannten "Veilchens" auf, dabei handelt es sich um die leitende Ermittlerin in Sachen Leib und Leben am LKA Innsbruck. Veilchen heißt eigentlich Oberstleutnant Valerie Mauser und hat eine eigene Homepage, die als Anhang an den Krimi direkt mit dem echten Leben verlinkt ist. Obwohl man an und für sich auch in der Provinz die privaten und die dienstlichen Verhältnisse getrennt halten sollte, müssen wir Leser von Veilchen wissen, dass ihr Vater, obwohl in Innsbruck geboren, in Wien begraben ist, die Mutter dort Pensionistin ist, eine Tochter Mausers nach der Geburt anonym zur Adoption freigegeben worden ist und deshalb jetzt keinen Namen und keine Adresse hat. Veilchen selbst hat Afro-Frisur, blonde Haare und grüne Augen. Das alles müssen wir Leser wissen, denn es steht uns wahrscheinlich eine Veilchen-Welle bevor, und auch wenn Informationen im aktuellen Fall nicht gebraucht werden, ist es für den modernen Krimi-Leser immer von Vorteil, wenn er eine Kramuri-Akte über seine Heldinnen und Helden angelegt hat, worin fallweise jener Scheiß steht, den man sonst nirgends erfährt. Im aktuellen Fall also geht es um viel Innsbruck, manche Straßenzüge werden mit Blaulicht durchrast, manche Hausfassaden recherchierend angeglotzt, manche Begegnung auf Gespräche reduziert, die wie abgewürgtes Hundegebell klingen. Der Rockstar Rock Wolf soll am Bergisl auftreten und bittet um Personenschutz, weil er eine Morddrohung bekommen hat. Er soll sich vor dreißig Jahren als Schwein benommen haben und jemand will sich jetzt an ihm rächen. Veilchen recherchiert in den Siebzigerjahren, in den olympischen Vorhöfen Innsbrucks und in der alpinen Rockszene und kommt zu der entscheidenden Frage: "Was ist hier eigentlich nicht inszeniert?" (149) Tatsächlich heißt der Rockmusiker Rock, damit man ihn sich merkt, der Landeshauptmann nennt sich Freudenschuss, weil er so brünftig auf die Jagd geht, und die Vorsitzende des Fan-Clubs "Die Besessenen" wird Elke Mumm gerufen, weil sie so viel Mumm hat. Und warum heißt Mauser Mauser, wohl nicht nur wegen der Waffe? Ja und Stolwerk ist ein Gesprächspartner, der jedem in den Mund passt. In die Vorbereitungen zum Konzert wird so manches Klischee hineingemixt, aus alten Chroniken werden Unglücke gewürdigt wie etwa jene Stampede am Bergisl, bei der während einer Fun-Veranstaltung viele Jugendliche zu Tode gekommen sind. Hinter den Kulissen taucht dann auch jener Vorfall ins Ermittlungslicht, der die Morddrohung ausgelöst hat: "Du wirst brennen". "Veilchens Feuer" ist routiniert heruntergeschrieben, ein ideale Zeitvertreib, wenn man für die Konsole zu müde und für das Tablet zu munter ist. Irgendwo stellt sich auch in den hinten gebliebenen Alpen die bildungspolitische Frage: Haben wir seinerzeit alle deshalb lesen lernen müssen, damit wir jetzt diese schönen Krimi-Sachen zum Wegtörnen haben? Helmuth Schönauer


Rezension


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Personen: Fischler, Joe

Fischler, Joe:
Veilchens Feuer : Valerie Mausers zweiter Fall ; Alpenkrimi / Joe Fischler. - Orig.-Ausg. - Innsbruck : Haymon, 2015. - 286 S. - (Haymon TB)
ISBN 978-3-7099-7832-0

Zugangsnummer: 6409
Romane, Erzählungen und Novellen - Signatur: DR Fisc - Buch